Tag 21 (05.08.2010)

Nach einem sehr ruhigen Tag waren heute alle wieder voller Tatendrang. Timothy, Josef und ich nahmen heute einen Bus, um zur MHC zu gelangen. Dort sollten wir uns 8:30 Uhr treffen. Doch unser Bus blieb schon nach wenigen hundert Meter im Stau stecken. Wir entschieden uns, den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen. So kamen wir zwar eine Dreiviertelstunde zu spät, doch wir waren nicht die letzten. Nairobis Berufsverkehr legt wohl nicht selten die gesamte Stadt lahm…
Jedenfalls kamen wir mitten in die Lobpreisrunde, die bereits in vollem Gange war. Im folgenden Input ging es um die Frage, was Gott uns in den bisherigen Wochen schon deutlich gemacht hat. Besonders hervorzuheben ist hier, dass unsere Ängste und Befürchtungen, die wir im Vorbereitungscamp geäußert haben und für die wir auch gebetet haben, so gut wie garnicht eingetroffen sind. Niemand von uns hat Malaria oder eine andere Krankheit und unser Tourmotto „We all are one – One in Christ“ äußert sich in fast jeder Aktion, wenn wir unsere kulturellen Unterschiede nicht als Barrieren, sondern als Chancen sehen.

Nun warteten wir nicht weniger als zwei Stunden auf unseren Bus, der uns zum „Good Samaritan“ bringen sollte. Erst 12:10 Uhr fuhren wir Richtung Slum und erreichten nach einer Stunde Fahrzeit das Kinderheim. Umringt von zahllosen Kindern wurden wir in vier Gruppen aufgeteilt: Kochen; Wasser holen; mit den Kindern spielen; Hühnergehege Bauen. Wer wie ich in der letzten Gruppe eingeteilt wurde, war schon sehr schnell fertig, denn es mangelt hier an allem. Auch an Baumaterial für das Gehege. So konnten wir uns auf die anderen Gruppen aufteilen. Besonders unsere verwöhnten deutschen Nasen und unser Sinn für Hygiene wurden im „Good Samaritan“ einer schweren Prüfung unterzogen. So war es unverkennbar, dass der türlose Steinbau, der sich direkt neben der Kochstelle befindet die „Toilette“ sein musste. Unzählige Fliegen stoben auf, wenn ab und zu Kindchen mit viel zu großen und völlig abgenutzten Flipflops an den halb auseinanderfallenden Tisch stießen. Und mitten in dieser Enge kochten die Betreuerinnen für uns reichlich Reis und Hühnerfleisch. In dem Raum, in dem einige von uns ihr Mittag aßen, schlafen nachts wohl 20 Kinder in den fünf Betten. Beeindruckend war – mindestens für mich – dass die Kinder hier trotz allem total glücklich zu sein scheinen. Okay… sie kennen es nicht anders, aber wenn man deutsche Verhältnisse kennt, kann man sich kaum vorstellen, dass man in dieser Umgebung glücklich sein kann. Was war es erst für ein Highlight, als wir einen kleinen bunten Ball aus einer unserer Tüten holten und die Kinder damit spielen ließen. Jemand sagte uns später, dass dieses Kinderheim sogar eins von den besten ist, die es hier gibt. Kaum vorstellbar, dass es noch sehr viel schlimmer geht. Aber hier gibt es für die Kinder ja neben einem Dach überm Kopf und warmen Mahlzeiten sogar Kleidung und medizinische Versorgung! Wie nebensächlich sind doch da plötzlich intakte Möbel und mitteleuropäische Hygiene, wenn woanders nichtmal diese Grundbedürfnisse abgedeckt werden…

Bevor wir wieder aufbrachen, sangen wir ein Geburtstagslied für eine der Betreuerinnen, „He’s got the whole world in his hands“, „Baba yetu“ und „We all are one“ für die Kinder. Als noch ausdrücklich ein deutsches Lied gewünscht wurde, sangen wir als Zugabe noch „Liebe ist Barmherzig“ und luden die Kinder zu unserem Konzert am 8.8.2010 ein.
16:05 Uhr verließen wir mit dem Bus das Kinderheim, nachdem wir zuerst zahllose Kinder aus dem Bus hinausbewegen mussten, die unbedingt mit uns mitkommen wollten.

Nun verabschiedeten wir uns und gingen wieder in unsere Gastfamilien.

~ von keniamusikprojekt am August 9, 2010.

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