Sonntag, 7 Uhr: Aufstehen. Eigentlich ist um diese Zeit noch niemand so richtig munter. Aber es ist – wie schon gesagt – Sonntag und wir werden in zwei verschiedenen Gottesdiensten erwartet. Alex, Ruben und ich beeilten uns heute besonders mit unserem Frühstück, denn Ken, unser Fahrer, ist einer der ganz wenigen Kenianer, für die 8 Uhr auch 8 Uhr ist. Für uns war natürlich auch klar, dass wir 8 Uhr fertig sein sollten. Nur einer fehlte: Ken. Bereits gestern hatte er Schwierigkeiten, mit dem „Church Van“ den Weg zu unserer Gastfamilie zu fahren. Jedenfalls warteten wir 20 Minuten, bevor wir schließlich probierten, ihn zu erreichen. Keine Chance: „The number you called is currently not available“, tönte es wiederholt aus meinem Handy. Nun setzten wir noch eine SMS an Franzi ab, in der wir kurz erklärten, warum wir noch nicht da seien. Nun hieß es warten. Lange warten. 9:20 Uhr rollte schließlich ein fremdes Auto auf den Hof und Jemand – offensichtlich ein Gemeindemitglied – bat uns, einzusteigen. Von ihm erfuhren wir schließlich den Grund unseres Wartens. Der Church Van war kaputt. Gestern auf der Rückfahrt von unserer Gastfamilie nach Hause, hatte Ken echte Schwierigkeiten, den Matatu auf der Straße zu halten. Beinahe wäre er seitlich umgekippt. Bei dieser Aktion wurde sein Handy aus dem offenen Fenster geschleudert und er konnte es nicht mehr finden. Mit Mühe und Not gelangte er dann schließlich doch noch bei sich zu Hause an, der Matatu hatte allerdings ziemliche Schäden, unter anderem am Getriebe. Von diesem funktionierte nämlich der zweite und vierte Gang nicht mehr.
Als wir 9:35 Uhr (also mit 65 min Verspätung) an der FCC ankamen, wurden noch letzte Vorbereitungen für den Gottesdienst getroffen. Vom Keniaprojekt war aber noch niemand zu sehen. Die waren nämlich alle noch in einem anderen GoDi, um dort vorgestellt zu werden, ein Lied zu singen und unser Konzert am Nachmittag anzukündigen.
10:30 Uhr waren dann auch wieder alle in der FCC und der 137-minütige Gottesdienst begann. Wir hörten eine Predigt über Glaube und sangen „Baba Yetu“, das „Vater unser“ auf Swahili, als wir der Gemeinde vorgestellt wurden. Im Anschluss an den Gottesdienst bekamen wir ein leckeres Mittagessen und konnten gemeinsam mit der Gemeinde noch die zwei Stunden bis zum Konzert mit guten Gesprächen überbrücken.
Nun sollten wir also unser zweites großes Konzert auf unserer Tour haben. Kitale, Faith Community Church, 15:00 Uhr. Der Raum war inzwischen auch schon gut gefüllt und der Soundcheck abgehakt, doch was wir bis dahin noch nicht wussten: Wir würden zwei „Vorbands“ haben! So begann nach einer kurzen Begrüßung durch Elijah Chege die Band „Young & Uncut“ drei Songs zu spielen. Danach performte noch eine Tanzgruppe. Nun, 15:30 Uhr, war es an uns. Wir starteten unser Programm, wurden aber nach nur Vier Stücken erneut unterbrochen. Diesmal betrat das „AGC-FCC-Praise-and-worship-team“ (AGC = African Gospel Community; FCC = Faith Community Church) die Bühne und sang extra für uns das deutsche Lobpreislied „Herr wohin sonst sollten wir gehen”. Den Rest der inzwischen schon fast „Konzertshow“ hatten wir jetzt jedenfalls für uns. Voller Leidenschaft sangen wir nun weitere sieben Lieder, als starker Regen auf das Wellblechdach prasselte und unsere Acapella-Songs „Lord, you are“ und „Baba Yetu“ fast unhörbar machte. Zu allem Überfluss war auch das Dach der Kirche nicht besonders dicht, sodass es ausgerechnet genau in der Mitte (Dort steht natürlich das Mischpult mit diversen Geräten, Verstärkern, Funkmicroempfängern, etc.) zu tropfen begann. Oberste Priorität war nun natürlich, unsere Technik vor dem Wasser von oben zu retten. So entstand eine ungewollte Pause, doch die Zuschauer blieben im Raum. Draußen regnete es ja auch. Als die Technik in Sicherheit war und wir mit unseren 4000 Watt Musikleistung dem Regen trotzen wollten, das nächste Lied „You’ll come“ auch schon mehr als angefangen hatten, passierte, was passieren musste: Stromausfall. Viele dachten nun, das Konzert sei im Wahrsten Sinne des Wortes „Ins Wasser gefallen“, doch durch einen Spontanen Einfall von Timothy und Jonathan stimmten wir plötzlich „Hallelujah“ an. Alles, was jetzt noch an Instrumenten übrig war und sich gegen den Regen durchsetzen konnte, hieß … Schlagzeug. Wir sangen also diverse Lieder, die wir teilweise noch nie geprobt hatten, Lieder, wie „Wamilele yesu“, die wir zwar schon einmal von unseren Kenianern gehört, jedoch noch nie selbst gesungen haben und Lieder, die uns völlig neu waren. Genial war aber, dass plötzlich die Konzertbesucher aufstanden und kräftig mitsangen. Das hatten wir ja noch nie erlebt. Wir stehen auf der Bühne, summen bestenfalls die Melodie und vor uns singt das Publikum lauthals mit unseren Kenianern Songs in Swahili. Als 17:45 Uhr die Lichter wieder leuchteten, beendeten wir gerade unser Programm. Die Zuschauer bedankten sich bei uns mit einem kräftigen Applaus und wir taten das selbe für sie.
Um nun wieder in unsere Gastfamilien zu gelangen, waren wir auf den Church Van angewiesen. Ken hatte wohl auch ein wenig an diesem herumgeschraubt, der Matatu wollte aber trotzdem nicht starten. So mussten wir im Regen auf der matschigen Wiese vor der FCC das Vehikel auch no
ch anschieben. Zuerst etwas bergauf, dann mit aller Kraft bergab. Der Motor schwieg. Nun nahm sich Ken der Sache an und untersuchte zuerst einmal die Batterie. Von dieser hatte sich das Kabel am Pluspol selbstständig gemacht, sodass es nur eines kleinen Wackelns an dem Kabel bedurfte, um losfahren zu können. Mit dem ersten und dritten Gang fuhr Ken nun nicht nur Alex, Ruben und mich, sondern auch noch mindestens sieben andere Personen in ihre Gastfamilien. Als er schließlich umdrehen wollte, versagte auch noch der Rückwärtsgang, sodass er auf der (glücklicherweise sehr breiten) Straße im ersten Gang wenden musste. Nach dieser Entdeckung musste er nun auch dem dritten Gang lange gut zureden, bis dieser endlich funktionierte. Unterm Strich waren nun also nurnoch der erste und der fünfte Gang übrig, wobei der fünfte nicht probiert wurde. Der dritte funktionierte sporadisch. Auf meine Frage, wie viel KM dieser Church Van denn schon gefahren sei, bekam ich die Auskunft: 300.000 KM! Wow… das auf diesen kenianischen Straßen. Das ist echt eine respektable Leistung. Mehr langsam als sicher kamen wir schließlich gegen 20 Uhr bei unserer Gastfamilie an. Dort begann Ken, sich auf Plastiktüten unter den Van zu legen, um mit Draht die Schaltung wenigstens so zu fixieren, dass er sie nicht auf seinem Heimweg verlieren würde. Eine neue Schaltung für diesen Matatu kostet 7000 KSh, was etwa 70€ entspricht. Doch diese Reparatur wird er nun durchführen (müssen). Für seinen Aufwand, den er die gesamte Woche mit uns hatte, überlies ich ihm nun meine Taschenlampe, die er gut gebrauchen konnte um jetzt, im völligen Dunkel, unterm Van noch zu erkennen, was er repariert. Auch unsere Gasteltern hatten Mitleid mit unserem Fahrer und luden ihn noch zum Abendbrot ein.
Später am Abend, nachdem Ken gestärkt mit dem Matatu das Grundstück verlies, sangen wir noch mit unseren Gasteltern, lasen Kolosser 3 und wurden für die weitere Tour und darüber hinaus noch von ihnen gesegnet. Nun überreichten wir ihnen noch einige Gastgeschenke und schauten uns noch gemeinsam eine Aufzeichnung unseres Konzertes von 2008 an, in dem auch die Tochter unserer Gasteltern, Enid, zu erkennen war. Da wir morgen nach Nairobi fahren würden, mussten wir noch unsere Sachen packen. Das taten wir auch und fielen schließlich sehr müde ins Bett.
Veröffentlicht in 26.07.-01.08 Kitale